Lightweight bike from London

Leichte City-Flitzer: Elektroräder auf Diät

Von Holger Dambeck, Friedrichshafen

Normale Cityräder wiegen rund 15 Kilogramm, solche mit Elektroantrieb eher 25. So schwerfällig müssen diese jedoch gar nicht sein, wie einige Hersteller beweisen. Leichtbau bei E-Bikes ist möglich, hat aber auch seinen Preis.

Als Matthias Blümel 2010 sein erstes E-Bike baute, musste er noch improvisieren. "Ich kam gerade von der Uni und hatte nicht das Geld, einen eigenen Akku zu entwickeln", sagt er. Und so ging Blümel in den Baumarkt und kaufte eine aufladbare Batterie, die normalerweise in Schlagbohrmaschinen steckt. Der Akku war unförmig, aber ansonsten setzte Blümel schon damals konsequent auf klare Linien und Leichtbau. Das erste Rad seiner Firma Electrolyte basierte auf einem klassischen Single-Speeder mit schmalen Rennradreifen.

Elektroräder hat inzwischen fast jeder Fahrradhersteller im Sortiment. Alle wollen vom Boom der E-Bikes profitieren. In diesem Jahr werden voraussichtlich 430.000 Räder mit E-Antrieb in Deutschland verkauft - 50.000 mehr als 2012. Doch die Räder, die Electrolyte anbietet, unterscheiden sich von den meisten anderen auf dem Markt: Sie wirken aufgeräumter - und sind deutlich leichter.

Ein herkömmliches Pedelec wiegt oft 25 Kilogramm und mehr. Das trägt man nicht mal eben die Treppe in den Keller runter. Das Electrolyte-Modell Querschläger kommt auf 16 Kilogramm, das mit Schutzblechen und Beleuchtung ausgerüstete Modell Brandstifter auf 18 Kilo. Auffällig ist die Vorderradgabel: Sie besteht aus nur einer Schwinge auf der linken Seite, in der sowohl der Akku als auch der Motor stecken. Der Radbauer Cannondale fertigt seit Jahren Mountainbikes auf die gleiche Weise

Das vergleichsweise geringe Gewicht zahlt sich aus, sobald man die Geschwindigkeit von 25 km/h überschreitet. Dann darf bei einem Pedelec, in diese Kategorie fallen fast alle in Deutschland verkauften E-Bikes, der Motor nicht mehr mitschieben. Auf einem 25-Kilo-Rad wirkt das Abregeln des Motors so, als würde das Rad bremsen. Plötzlich muss man mit viel mehr Kraft treten. Beim Modell Querschläger gibt es diesen abrupten Übergang nicht, weil es deutlich leichter ist.

"Ich wollte immer Elektroräder bauen, die sich wie ein Fahrrad fahren", sagt Blümel. Der Motor solle vor allem beim Anfahren und am Berg helfen - darüber hinaus brauche man ihn nicht unbedingt, solange das Rad leicht genug sei. Einziger Minuspunkt der auffälligen Einarmschwinge ist die Gewichtsverteilung. Das Rad ist vorne ungewohnt schwer.

Leichtgewicht aus London

Blümel hat mit seinen Designrädern vor allem zahlungskräftige Kundschaft im Visier: Die Preise beginnen bei 4000 Euro. Dass man sogar für 2000 Euro ein noch leichteres Elektrorad bauen kann, beweist die Londoner Firma Momentum Electric. Auf der Fahrradmesse Eurobike in Friedrichshafen hat sie ihr neues Modell Upstart Sport vorgestellt, das gerade mal 14,5 Kilogramm wiegt.

"Wir haben einen leichten Vorderradantrieb mit einem nicht ganz so großen und deshalb auch relativ leichten Akku kombiniert", sagt Momentum-Gründer Andreas Törpsch. Mit E-Bikes kennt er sich bestens aus. Mehrere Jahre lang hat der Deutsche beim Verein Extraenergy Elektrofahrräder diverser Hersteller getestet und weiß genau Bescheid über deren Schwächen und Macken. Seit einem Jahr baut er selbst E-Bikes.

Schmale Reifen, ein schlanker Alurahmen und ein nicht einmal zwei Kilogramm schwerer Vorderradmotor machen das geringe Gewicht beim Upstart Sport möglich - das somit auch gar nicht auf so einen großen und entsprechend schweren Akku angewiesen ist wie ein 25-Kilo-Pedelec.

Ein Kraftsensor im Tretlager sorgt dafür, dass der Motor im Vorderrad nur dann wirklich aufdreht, wenn der Fahrer ordentlich in die Pedale tritt. "Bei Billig-E-Bikes fehlte ein solcher Sensor oft, weshalb das Vorderrad mitunter durchdreht", sagt Törpsch. Der City-Flitzer ist leicht zu tragen, und das Abregeln des Motors oberhalb von 25 km/h spürt man praktisch nicht.

Motor im Sitzrohr

Den wohl radikalsten Weg in Sachen Leichtbau beim E-Bike geht die österreichische Firma Gruber. Bei ihrem System Vivax Assist steckt der Motor im Sitzrohr des Rahmens und ist dadurch von außen nicht erkennbar. Über ein Zahnrad treibt der Motor die Tretkurbel an. Akku und Motor wiegen zusammen nur 1,8 Kilogramm. Ein damit bestücktes Rennrad kommt auf zehn Kilogramm.

"Unser System richtet sich an sportliche Fahrer", erklärt Firmensprecherin Ulrike Treichl. Die Leistung des Motors sei mit 200 Watt auch niedriger als bei herkömmlichen E-Bikes, die auf 250 bis 500 Watt kommen. Typische Kunden könnten Paare sein, die damit wieder zusammen Rennradtouren unternehmen. "Am Berg kann der schwächere Partner den Motor zuschalten und so Anschluss halten. In der Ebene braucht man den Motor nicht."

Den kleinen Akku des Vivax-Assist-Systems kann man leider nicht im Rahmen verstecken. Entweder steckt er in einer Satteltasche oder wie beim Rennrad Vixax Veloce CF in einem Mini-Behälter am Rahmen, der aussieht wie eine kleine Trinkflasche - siehe Fotostrecke. Der Hersteller bietet komplett ausgestattete Rennräder, Mountainbikes und Tourenräder ab etwa 4000 Euro an. Man kann das System aber auch als Nachrüstsatz zum Preis von 2550 Euro ordern.